Vokabular

F T L E I V L

Für die Arbeit in multidisziplinären Konstellationen und die Kommunikation an sehr unterschiedliche Zielgruppen ist das Schaffen einer Übereinkunft über die Bedeutung der benutzten Begriffe zentral. Wir haben uns in unserer Tätigkeit bestehender Terminologien bedient, aber wir haben uns auch mit Phänomenen und Praktiken befasst, die in keinem herkömmlichen Vokabular vorkommen und neue Diskurse und Sichtweisen angestossen. Dabei haben wir Worte geprägt und geschaffen. Was sie für uns und jene, die mit uns verbunden sind, bedeuten, ist in dieser Liste aufgeführt.

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Kultur
Elena Malara

Kultur ist der Filter, durch den wir die Welt um uns herum betrachten und verstehen. Kulturelle Produktion –  sei es Kunst, Musik, Literatur oder anderes –  entspringt der Beobachtung und Synthese des Zeitgenössischen, in dem wir leben: Was es ist, was es bedeutet, wohin es sich entwickeln könnte und was es für uns alle repräsentiert. Kultur ist grundlegend, um die politische Haltung und eine kritische Herangehensweise von Individuen, Kollektiven, Gemeinschaften, Bürgerinnen und Bürgern zu schärfen.

Der Begrff “Digiversalität” betrifft die Fähigkeit, sich mit einer neuen Form der Materialiät auseinanderzusetzten, die zum Beispiel im Zusammenhang mit 3D-Druckern, Lasercuttern und CNC-Fräsen erscheint. Diese Maschinen kombinieren explizit die vorher unvereinbaren Bereiche des Analogen und des Digitalen zu einer “neuen Materialität”, die in der Überschneidung des Abstrakten mit dem Konkreten liegt. Wie der Architekturhistoriker Antoine Picon schreibt: “Die neue Materialität ist an der Schnittstelle zweier scheinbar gegensätzlicher Kategorien zu finden: Zwischen dem gänzlich Abstrakten, auf Signalen und Codes Basierenden, und dem Ultra-Konkreten, das eine scharfe […] Wahrnehmung materieller Phänomene und Eigenschaften beinhaltet.” Antoine Picon: Digital Culture in Architecture. An Introduction for the Design Professions. Birkhäuser 2010, S. 157.)  Ich glaube, dass Designerinnen und Designer innerhalb des Designprozesses (vor allem wenn sie Modelle oder Prototypen herstellen)  oft die Fähigkeit beweisen, mit dieser neuen Materialität umzugehen. Natürlich sind Rapid-Prototyping-Maschinen nicht das einzige Beispiel für diese Erscheinung aber das offensichtlichste.

Emodigitalität
Depot Basel

Der Zusammenfluss des Analogen und des Digitalen, des Natürlichen und des Künstlichen, des Spontanen und des Programmierten, des Affektiven und des Kognitiven. Das Wort “Emodigitalität” wurde – aufgrund des Fehlens eines anderen akkuraten Begriffes – von Depot Basel anlässlich der Projekte “User sind Leute” und LAN-Party” erfunden.

Hylomorphism
Guy Keulemans

Das Konzept des Hylomorphismus geht auf Aristoteles zurück. Es unterscheidet Materie (hýlē) von Form (morphḗ). Im Design stellt die hylomorphe Praxis die Form über das Material: Zum Beispiel wenn in der Keramikproduktion der Ton gegen die Wände einer Form gepresst wird. Obwohl Ton viele wichtige und bestimmende Qualitäten hat, etwa Körnigkeit, Textur, Elastizität und Porosität, werden diese im Formgebungsprozess verwischt und neutralisiert. Hylomorphe Praxis unternimmt eine zweifache Anstrengung: Es produziert mit Material, negiert es aber gleichzeitig. Bei hylomorphen Objekten werden der Formgebungsprozess und die Form isoliert von materiellen Gegebenheiten betrachtet. Dies entspricht einer “verarmten Realität” (Simondon, 1992: 315).

Die geraden Wände und Platten in Betonkonstruktionen sind ein Beispiel hylomorpher Praxis, wie auch das verwischen von Trennlinien und Nähten, das Design von Hochglanz-Formen, -Verkleidungen und andere industrielle Techniken des Glamours, der Verschleierung und Standardisierung.


Referenz:
Simondon, G. (1992). ‘The genesis of the Individual’, in: Crary, J. & Kwinter, S (Eds.), Incorporations (pp.297–319 ). New York: Zone Books.

Weitere Informationen:
Deleuze, G. & Guattari, F. (1987). ‘Chapter 12: 1227: Treatise on Nomadology- The War Machine,’ in: A thousand Plateaus: Capitalism and Schizophrenia, translation and foreword by Brian Massumi. Minnesota: University of Minnesota Press.

Keulemans, G. 2015. ‘Affect and the experimental design of domestic products,’ thesis, UNSW Art &Design, August 2015: http://handle.unsw.edu.au/1959.4/54966

Oberfläche ist ein neuer “Pfeiler” von Design: Form, Funktion + Oberfläche. Ein Set von Punkten, die Objekte oder Interfaces umschliesst, mit Länge und Breite aber ohne Dicke. Oberfläche ist die sehr dünne Haut, mit der wir leben. Eine sichtbare Schicht, die Wertigkeit herstellt, ohne den materiellen Wert als solchen zu steigern. Digitale Systeme erhöhen die Plastizität von Oberfläche, sie können sich vom Physichen lösen und sich jedem Geschmack anpassen, bzw. sich von ihm lösen.

Zum ersten Mal verwendet von Optimo anlässlich des Releases der Schriftart Apax: “Hier ist Apax! Ein typographisches Legomenon von François Rappo, das Konstruktivismus durch eine modernistische Linse betrachtet.” Mit einem typographischen Legomenon beschreibt man eine typographische Arbeit, die einzigartig ist und mit ihren Attributen klar auf eine spezifische Designerin oder einen Designer hinweist. Der Begriff basiert auf der Bezeichnung “hapax legomenon.” die für eine Methode steht, die dazu verwendet wird, die Autorschaft alter Texte zu bestimmen.