The question of what design is

F T L E I V L

02. September 2016

Konzept

Nina Paim, Corinne Gisel & Depot Basel

Grafikdesign

Nina Paim & Corinne Gisel

Die Frage, was Design ist, erweist sich als diffus und diffizil. Ist Design das, was Designerinnen machen? Ist Design das, was Designer tun? Oder ist Design etwas, das wir alle tun? Jede und jeder scheint darauf eine andere Antwort zu haben. Und am Ende ist’s wohl am einfachsten zu sagen: Alle Antworten sind korrekt. Denn was wir als Design verstehen oder was wir Design nennen, hängt von der Perspektive ab, aus der wir es betrachten. Und unsere Anschauung ist immer von dem gefärbt, was uns umgibt.

Der Blick von uns  Designerinnen und Designern wird durch  unsere Ausbildung und unseren Arbeitsalltag gelenkt. In der Schule lernen wir vor allem mit Form und Material umzugehen. Bei der Arbeit erwarten unsere Kunden häufig überarbeitete Versionen schon bestehender Formate: Handtaschen, Stühle, Interieurs, Logos, Posters, Websites – die Liste lässt sich fortsetzen.

Meist sind es auch Dinge aus eben dieser Aufzählung von Designprodukten, deren hochgeschätzte ästhetische Qualitäten und die Namen gerühmter Designer, die es schaffen, sich im Bewusstsein der Öffentlichkeit festzusetzen. Sowohl Designer als auch Nichtdesignerinnen werden davon geprägt, wie Design in den Medien allgemein (spezifisch auch von der Designpresse), in Designausstellungen, Designpreisen und von Orten wie Depot Basel dargestellt wird.

Wir beide sind eigentlich Grafikerinnen, doch sahen wir eine Notwendigkeit, uns mit der  öffentlicher Wirkung von Design zu beschäftigen, um die enge Designauffassung in Frage zu stellen. Deshalb bewegen wir uns davon weg, Dinge zu formen und versuchen stattdessen, den Diskurs über Design mitzugestalten. Ich durch eine forschende und schreibende, Nina durch eine forschende und kuratierende Auseinandersetzung.

Doch kann ein solcher Weg nicht im Alleingang beschritten werden. Denn Diskurs kann nur durch unterschiedliche Stimmen, die zu einem Gespräch zusammenfinden, entstehen und Form annehmen. Die Einladung von Depot Basel, ein Poster mit dem Satz “Design concerns each and every one of us,” (Design geht jede und jeden von uns etwas an) zu gestalten, hat deshalb bei uns auch eine kleine Kettenreaktion ausgelöst. Denn diese eigentlich einfache Aussage bedingt eine Spirale von weiteren Erwägungen. Aus einem Poster wurden deshalb zwei, und es hätten leicht noch mehr werden können.

Diese Posterserie zeigt daher nur einen Ausschnitt aus dem weiten Feld an Fragen, mit denen wir uns konfrontiert sehen, wenn wir persönliche und öffentliche Voreingenommenheiten über das, was Design ist oder sein sollte, anfechten wollen.

Welcher Definition sollen wir denn nun folgen, wenn wir über Design schreiben oder es präsentieren? Wessen Interessen vertreten wir? Ist es unsere Aufgabe den Beruf oder die Disziplin Design zu legitimieren? Oder sollen wir genau diesen disziplinären Grenzzaun durchbrechen? Und falls wir das tun: Für wen machen wir das? Was nützt es den Leuten, wenn wir ihnen erzählen, dass auch sie letztendlich alle eine Designtätigkeiten ausführen? Kann dies jene aufklärerische Funktion haben, die für eine intakte Demokratie notwendig ist? Begünstigt dies eine Demokratisierung des Designs? Kann es für wirtschaftliche oder politische Prozesse hilfreich sein? Und weiss eigentlich irgendjemand genau, was die Essenz von dem ominösen “Design Thinking” ist? Wann wird daraus eine sinnentleerte Handlungsanleitung? Wann wird “Design” lediglich zu einem Label? Doch ist ein Label, als eine stabile Wortzuschreibung, zwangsläufig etwas Schlechtes? Denn wenn wir Design als etwas betrachten, das zugleich in allen Dingen und doch nicht in irgendeinem  Ding zu verorten ist:Ab wann bezeichnen wir etwas als Design und ab wann nicht mehr? Wann löscht sich Design in seiner immer breiter werdenden Definition einfach selber aus?

Text: Corinne Gisel

Beitragende
Corinne Gisel

Designer