Rückblick 2013

F T L E I V L

25. Februar 2014

Als Depot Basel 2011 gegründet wurde, definierte es sich nicht über eine Absicht, sondern durch Benennung dessen, was es NICHT ist: Keine Messe. Kein Festival, kein Museum, kein Showroom, keine Galerie. Dieser Claim sorgte und sorgt bisweilen für Verwirrung und kritische Fragen: Denn – Tatsache – die Positionierung über Negation wird gern von jenen vorgeschoben, die nicht wissen, was sie sind und sein wollen, von jenen, denen es an Profil mangelt, von den vielen ‚Just another Off Spaces‘, die so schnell wieder weg sind, wie sie entstanden; von jenen auch, deren Relevanz sich nicht in Inhalt und stringentem Konzept, sondern durch blosses Da- und Offensein gründet und sich ergo zeitlich auf die Nutzungsspanne der jeweiligen Lokalität beschränkt. Doch das ‚Sich nicht Festlegen wollen‘ deutet nicht immer auf Richtungslosigkeit hin. Wer sich, wie wir, entschlossen hat, das Rhizom ‚kontemporäre Gestaltung‘ zumindest in Teilbereichen zu beleuchten, darzustellen und weiterwachsen zu lassen, wäre schlecht beraten, würde er sich mit strikten Absichtserklärungen fesseln. Einem nicht hierarchischen und in stetiger Veränderung begriffenen Gebilde, das sich zwischen Theorie und Praxis, zwischen Dingen, Prozessen und Ideen spannt; das Verästelungen in die verschiedensten Lebensbereiche, Wissenschafts-und Schaffensdisziplinen, zwischen immer neuen Akteuren und Rezipienten, in die Vergangenheit und die Zukunft hat, lässt sich nicht mit starren, selbstzentrierten Strukturen und nach innen gerichtetem Tunnelblick begegnen, sondern nur im Bemühen, als bewegliches Element im versatilen Ganzen zu agieren. Depot-Basel möchte deshalb unabhängig von etablierten, mitunter zu Bequemlichkeit und Unaufmerksamkeit verleitenden, institutionellen Strukturen bleiben, jenseits des Gewinndrucks agieren, stetig adäquate Rezeptions- und Reflexionskonzepte, Darstellungs- und Vermittlungsarten erarbeiten, erproben, annehmen und verwerfen, sich auf unbekanntes Terrain vorwagen.

Seit 2011 ist einiges passiert; wir haben Ausstellungen, Workshops und Diskussionen, eine Zwischennutzung, Gastspiele im In- und Ausland und einen Umzug ‚überlebt‘, haben einige schöne und vielversprechende Anfragen um Zusammenarbeit aus Ressourcenmangel (finanzieller und personeller Art) abgelehnt, Formate erprobt und auch verworfen. Gefässe wie etwa die Ausstellungsserie ‚Handwerk &…‘., die internationale Vortragsreihe ‚Einblick‘ und die Publikationen, die immer in Zusammenarbeit mit einem anderen Grafikteam entstehen, haben wir weitergeführt und ausgebaut. In den fast drei Jahren seit seiner Gründung sind wir reicher an Erfahrung und Wissen und Depot Basel ein Stück weit ‚erwachsen‘ geworden.

Vom Improvisierten im Getreidesilo auf dem NT-Areal ist am neuen Standort, der ehemaligen Wechselstube am Voltaplatz, wenig zu spüren. Wir sind uns bewusst, von den Piraten mit Neulingsbonus zu einer vielbeobachteten ‚Marke‘ geworden zu sein. Der kleine Raum ist eine grosse Chance: Wir haben dank ihm die Gelegenheit, unseren ‚Kern‘ zu stärken, Organisationsstrukturen zu überarbeiten, an stringenten Konzepten zu feilen, statt uns wie früher noch bei der Planung von Ausstellungen von riesigen Raumdimensionen ein Stück weit bestimmen zu lassen oder uns mit nicht existenter Infrastruktur herumschlagen zu müssen. Doch wir werden überraschend und agil bleiben. Denn den Verneinungs-Claim verstehen wir Depot Basel-Macher durchaus auch als eine Notiz an uns selber – als eine Erinnerung zur steten Überprüfung unserer eigenen Beweglichkeit und Motivation etwa. Wir sehen es natürlich als Kompliment, dass Depot Basel von aussen immer wieder als Institution wahrgenommen wird. Denn dies deutet darauf hin, dass wir unsere Sache gut machen. So gut, dass Aussenstehende nicht nur uns fünf ‚Ehrenamtler‘ hinter dem Sichtbaren vermuten, sondern eine grössere Gruppe von ‚Hauptberuflern‘ in einem klar strukturierten Organisationsgefüge. Gleichzeitig ist uns, was schmeichelt, auch eine Mahnung: Wir möchten uns auf dem positiven Echo nicht ausruhen und nicht der guten Wirkung wegen vergessen, uns im Innern unsere Abenteuerlust und unseren Pioniergeist zu bewahren.

Das Geschehen 2013 mit seiner ganzen Breite ist ein Ausdruck davon, was Depot Basel ist und sein möchte. Ereignis 14, der Einblick in Wrocław: Weil sich Gestaltung nicht nach Landes- oder disziplinären Grenzen richtet. Ereignis 15, die im temporär genutzten Raum an der Uferstrasse realisierte Ausstellung Handwerk & Zeichnung: Weil die Idee und Intention von Depot Basel unabhängig von einem festen Standort bestehen, weil das gewählte Thema so noch nicht aufgegriffen und gezeigt wurde, und weil ein weiteres Mal sichtbar wurde, dass es in der Gestaltung eben nicht nur um Produkte geht, sondern um das Dahinter, Dazwischen und Drumherum. Ereignis 00, der Umzug an die Voltastrasse und die damit verbundene Zusammenarbeit mit EMYL, dem Basler Szenografiebüro, das das modulare Ausstellungsmobiliar realisiert hat: Weil Basel unsere Basis ist, und weil wir gerne mit anderen zusammenarbeiten. Ereignis 18, das Vermittlungsprojekt für Kinder ‚Alltäglich Besonderes‘: Weil Gestaltung mit jedem von uns zu tun hat (und man nicht früh genug anfangen kann, zu hinterfragen, was einen im Alltag umgibt). Ereignis 19, ‚Changes – Chancen‘, das Gespräch von Gestaltern aus verschiedenen Bereichen und Altersgruppen, die nachfolgende Ausstellung und die weiterführenden Publikation: Weil wir Menschen zusammenbringen möchten, die sich sonst nicht begegnen, weil Heute und Morgen ohne Gestern nicht können, weil am Standort Schweiz viel ungenutztes Potential schlummert, weil verschiedene Ansichten, Positionen, Disziplinen und gestalterische Ausdrucksmittel durchaus nebeneinander Platz haben und sich gemeinsam und in Reibung weiterentwickeln können. Das war unser Jahr 2013.

Wir freuen uns auf 2014!

DEPOT BASEL